Stabsübergabe im Nationalrat – Laura Gantenbein im Gespräch mit Felix Wettstein
Am 27. April wurde Laura Gantenbein als Nachfolgerin von Felix Wettstein im Nationalrat vereidigt. Wir haben beim Übergabegespräch der beiden zugehört und etwas mitgeschrieben.
Felix Wettstein: Laura, am Montag, 27. April 2026 bist du im Nationalrat vereidigt worden. Alle Augen waren auf dich gerichtet. Wie ist es dir dabei ergangen?
Laura Gantenbein: Es war ein besonderer Augenblick, ich war das ganze Wochenende vorher nervös! Zum Glück war viel los und ich konnte mich ablenken an der Kulturnacht oder an der NWA-MV. Ich habe grosse Freude und Respekt vor der Aufgabe. Für mich ist klar: Ich will mich für mehr Gleichstellung und eine lebenswerte Zukunft einsetzen.
Felix Wettstein: Du bringst nicht nur die Erfahrungen aus deinen bisherigen politischen Ämtern (Kantons- und Gemeinderat) und als Parteipräsidentin mit, sondern auch jene als Lehrerin. Was denkst du, wie kann das deine Arbeit im Nationalrat prägen?
Laura Gantenbein: Enorm. Ich habe elf Jahre unterrichtet und dabei täglich erlebt, wie vielfältig unsere Gesellschaft ist. Diese Vielfalt sehe ich als grosse Chance. Zudem geht es im Klassenzimmer wie in der Politik darum zuzuhören, unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen und Lösungen zu finden, die möglichst allen gerecht werden.
Felix Wettstein: Vielfalt ist auch politisch ein grosses Thema. Das erinnert mich an die Debatte um die Ehe für alle oder das Antidiskriminierungsgesetz. Wo setzt du konkret deine Schwerpunkte?
Laura Gantenbein: Ein zentrales Anliegen ist für mich die Gleichstellung – insbesondere auch für die queere Community. Ich möchte dieser eine weitere Stimme verleihen im Bundeshaus. Gleichzeitig geht es mir um Generationengerechtigkeit: Wir müssen heute so ökologisch handeln und entscheiden, dass auch zukünftige Generationen eine lebenswerte Schweiz vorfinden: Das heisst jetzt klug investieren in nachhaltige erneuerbare Energie, Klimaschutzmassnahmen, gute Bildung und eine moderne, inklusive Gesellschaftspolitik, die Vielfalt schützt.
Felix Wettstein: Du sprichst die Zukunftsperspektive an. Das erinnert mich an meinen Schwerpunkt für eine nachhaltigere Finanzpolitik und gegen Sparprogramme, die gute Entwicklungen abwürgen. Wo siehst du die grössten politischen Baustellen?
Laura Gantenbein: Klar beim Klimaschutz. Wir dürfen nicht in alte Denkmuster zurückfallen, etwa in Richtung neuer Atomkraftwerke. Stattdessen müssen wir konsequent in erneuerbare Energien, in Energieeffizienz und Suffizienz investieren. Und wir müssen verhindern, dass bei Klima- oder Sozialmassnahmen gespart wird – da hast du wichtige Arbeit geleistet.
Felix Wettstein: Danke. Es freut mich natürlich, wenn diese Saat Früchte trägt. Ich greife nochmals das Thema Gleichstellung auf: Welche konkreten Fortschritte muss die nationale Politik in den nächsten Jahren erzielen?
Laura Gantenbein: Konkrete Schritte für mehr Vereinbarkeit von Familie und Beruf, etwa durch Projekte wie die Familienzeit-Initiative. Politik muss alle Lebensrealitäten abbilden. Jetzt unterschreiben!
Felix Wettstein: Gibt es für dich nationale Anliegen, die für deinen, für unseren Kanton Solothurn eine spezifische Bedeutung haben?
Laura Gantenbein: Absolut. Ich werde immer auch die Anliegen aus Solothurn mit nach Bern nehmen. In Solothurn bin ich politisch gewachsen – als Gemeinderätin, Kantonsrätin und Parteipräsidentin. Diese Erfahrungen helfen mir jetzt enorm.
Für mich gibt es mehrere nationale Anliegen, die für den Kanton Solothurn eine besondere Bedeutung haben. Unser Kanton ist stark geprägt von einer Mischung aus ländlichen Regionen, mittelgrossen Städten und einer vielfältigen Bevölkerung. Darum betreffen uns nationale Entscheide oft sehr direkt.
Ein wichtiges Thema ist die nachhaltige Mobilität: Solothurn liegt zentral, viele Menschen pendeln täglich, und gleichzeitig sind wir auf gute Verbindungen angewiesen – sowohl im öffentlichen Verkehr als auch im Veloverkehr. Nationale Investitionen in klimafreundliche Infrastruktur wirken sich bei uns unmittelbar aus.
Für mich als Lehrperson ist zudem die Bildungspolitik zentral. Gute Schulen, faire Chancen und eine starke Berufsbildung sind für einen Kanton wie Solothurn entscheidend, der auf gut ausgebildete Fachkräfte angewiesen ist.
Und nicht zuletzt betrifft uns die Gleichstellungspolitik direkt – ob es um Familienmodelle, die Rechte der queeren Community oder den Zugang zu Betreuung und Unterstützung geht.
Felix Wettstein: Seit Montag bist du im Amt, aber die Startphase für das Nationalratsamt hat schon ein paar Wochen vorher begonnen. Wie hast du den Einstieg im Bundeshaus erlebt?
Laura Gantenbein: Sehr intensiv, aber auch inspirierend. Ich habe nämlich bereits am Donnerstag Morgen mein erstes Votum halten dürfen, da die Demokratie-Initiative beraten wurde und 60 Parlamentarier:innen zu diesem Geschäft gesprochen haben. Man muss sich schnell in Themen einarbeiten, aber genau das motiviert mich.
Felix Wettstein: Zum Abschluss eine Doppelfrage: Was gibst du mir als „Abtretenden“ mit – und was nimmst du von mir mit?
Laura Gantenbein: (lacht) Ich nehme viel mit – vor allem dein Engagement für eine gerechtere Finanz-, Klima- und Gesundheitspolitik und deinen Elan. Sicher werde ich auch die eine oder andere Wanderung von dir mal abwandern.
Und dir gebe ich mit: Danke für deinen unermüdlichen Einsatz. Die Grundlage, auf der wir weiterarbeiten können, hast du entscheidend mitgestaltet.
Felix Wettstein: Danke dir, Laura. Ich bin überzeugt, das Mandat ist bei dir in guten Händen.
Laura Gantenbein: Danke, Felix – ich gebe mein Bestes.